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Karlsplatz

location: Wien, Österreich
client: Künstlerhaus Wien / Stadt Wien
architecture: SPLITTERWERK
projektteam: Mark Blaschitz, Hannes Freiszmuth, Edith Hemmrich, Josef Roschitz
opening: 2002
exhibition: mega: manifeste der anmaßung, 1. wiener architekturtriennale

Karlsplatz erbaut von SPLITTERWERK. Nicht von Fischer von Erlach, Roland Rainer und Gustav Peichl, nicht von Henry Moore, nicht von Olbrich und auch nicht von Otto Wagner - die Liste der großen Architekten und Künstler die den Karlsplatz nicht erbaut haben lässt sich beinahe beliebig verlängern. Diese Liste kann gemäß dem Verantwortungsbereich auch leicht erweitert werden, z.B. auf das Stadtgartenamt, die Verkehrsbetriebe, oder das Straßen- und Brückenbauamt. Eine Unzahl von Einzelpersonen und Institutionen haben in der Vergangenheit geplant, gebaut oder gestaltet - am und um den Karlsplatz – oder tun es gerade in diesem Moment. Niemand aber hat den Karlsplatz bislang erbaut.

Otto Wagner hat dem Karlsplatz schon vor mittlerweile mehr als 100 Jahren das Attribut Platz entzogen und Ihn als Gegend bezeichnet. Eine interessante Aussage, eine sehr interessante sogar - auch wenn sie seitens des alten Meisters sicherlich abwertend gemeint wurde. Unzählige Planungen sind bislang entstanden, ganze Architekturstudentenjahrgänge und deren Professoren von 4(!) Hochschulen wurden über Jahrzehnte immer wieder mit Aufgabenstellungen im Zusammenhang mit der Neuorganisation und Neugestaltung des Karlsplatzes konfrontiert oder haben sich freiwillig diesem Martyrium ausgeliefert. Engagierte Architekten - ob Zünd up in den späten 60ern oder heute Jabornegg und Palffy - haben unzählige Arbeiten zu diesem Thema verfasst, angefangen bei gesellschaftskritischen Montagen über städtebauliche Konzepte bis hin zu Planungen und (Teil)realisierungen von Gebäuden und Platzgestaltungen. Immer wieder angeheizt von den Medien gab und gibt es Versuche einer Neuordnung dieses Konglomerats aus Einzelinteressen genannt Karlsplatz. Harte Kritiken, wilde (gegenseitige) Schuldzuweisungen, Mängellisten, Polemiken - nichts haben sie bewirkt, nichts hat sich im Sinne der Fachleute, Intellektuellen und Meinungsmacher verändert. Nicht zuständig! Zu komplex! Zu verfahren! Nicht verantwortlich! Ideen, Pläne, ja sogar fertige Projekte sind genügend da, man muss sie ja nur noch realisieren (behaupten viele). Nicht gewollt! Nicht Schuld! Nicht Schuld? Sich der Verantwortung entzogen!

Entwickelt hat sich dieses städtebauliche Gefüge inmitten von Wien anscheinend nach eigenen Gesetzen. Und das ist ein Glück - ein unsagbares Glück und zugleich ein typisch österreichisches Schicksal. Aus Übereiferung im Schlechtmachen erkannte bzw. erkennt niemand die Qualitäten des Karlsplatzes. Er ist großartig, der Karlsplatz! Der Karlsplatz ist bestimmt der stärkste, der interessanteste aller Wiener Plätze, trotz - meistens aber wegen all seiner Mängel. Denn diese sogenannten Mängel machen es erst möglich, dass dieses Gefüge ein so heterogenes Nutzungsbild erzeugt und dass die verschiedensten Funktionen so perfekt neben bzw. vor Allem miteinander funktionieren. Ein Layerpatchwork, das von Rem Koolhaas, dem großen Architekten aus den Niederlanden, nicht hätte besser konzeptioniert werden können. (Dabei liegt ohnedies die Vermutung nahe, Rem Koolhaas hat sich bei vielen seiner städtebaulichen Projekten vom Karlsplatz inspirieren lassen.) Lernen wir vom Karlsplatz! Karlskirche, Sezession, Musikvereinssaal, Kunsthalle und Künstlerhaus - um nur einige zu nennen - sind touristische und zu Recht auch kulturelle Magneten. Technische Universität, die Nähe zur Staatsoper, zur Kärntnerstraße, zum Naschmarkt, wie die allgemeine zentrale Lage des Karlsplatzes tragen das Ihre zur hohen Personenfrequenz bei. Ein U-Bahnknoten mit einem komplexen Netzwerk an unterirdischen Passagen und Verkehrswegen mit vielen Ein- bzw. Ausgängen verzweigt sich in jeweils völlig unterschiedliche Mikrowelten. Welten, die in ihrer Infrastruktur, aber auch in ihrer kulturellen und sozialen Struktur vollkommen differieren, durch ihre spezielle Lage zueinander und durch die besondere Form von Verbindung und gleichzeitig Isolation koexistieren, vielleicht sogar symbiotisch funktionieren.

Lernende Studenten, hektische Geschäftsleute, lustwandelnde Touristen, wachsame Polizisten, tollende Skateboarder, stillende Mütter, besoffene Menschen, parkbanksitzende Senioren, scheißende Hunde, sich küssende Pärchen, kaffeetrinkende Beamte, Fixer auf Turkey und knappbekleidete Sonnenanbeter finden am Karlsplatz ihre Infrastruktur, ihre Mikrowelt. Es gibt Cafès, Bäckereien, Skulpturen, Musikgeschäfte, Mode, Architekturen von Weltbedeutung, Büsten, Lebensmittel, E-Commerce, Denkmäler, Halfpipes, Brunnenanlagen und Gartengestaltungen in unmittelbarer Nähe und in verwegener Verknüpfung mit einigen der frequenzdichtesten Individualverkehrsträgern der Stadt Wien.

Die Ungestalt, besser die Uneinheitlichkeit der Gestaltung, das nicht über einen Kamm scheren, der fehlende Stil bewirkt die eigentliche Haltung, die Ideologie des Karlsplatzes und macht dieses Beziehungsgeflecht zu einem beispielhaften Abbild unserer demokratischen Gesellschaft. Erkennen wir dieses Abbild als ein Vorbild an! Der Karlsplatz wird sich in unseren Köpfen und Herzen als ein anderer Karlsplatz, ein ganz anderer Karlsplatz einprägen. Ein Karlsplatz erbaut von SPLITTERWERK. Ein Bekenntnis, gültig auch für die Zukunft, aber gleichzeitig nur der erste Bauabschnitt eines großen Vorhabens – denn - Wien ist wirklich anders – und dafür zeichnet in Zukunft SPLITTERWERK verantwortlich.
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